Europas Börsen stabil nach kurzer Handelsfrieden-Rally

Die europäischen Aktienmärkte haben sich am Dienstag uneinheitlich gezeigt, nachdem die anfängliche Euphorie über die US-chinesische Verhandlungspause nachließ. Der DAX legte um 0,2 % zu, während der französische CAC 40 um 0,1 % nachgab. Der britische FTSE 100 verlor 0,2 %. Die am Wochenende vereinbarte Teil-Einigung zwischen Washington und Peking hatte zwar eine kurze Rally ausgelöst, doch inzwischen richten Anleger ihren Blick wieder auf Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen.

Steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland drückt auf die Stimmung

Ein Anstieg der deutschen Arbeitslosenquote auf 4,5 % von zuvor 4,4 % belastet das Vertrauen der Märkte. Auch wenn der Zuwachs gering ist, trifft er die Unternehmen in einer Phase, in der sie ohnehin vorsichtiger auf ihre Wachstumsaussichten blicken. Anleger warten nun gespannt auf das neueste ZEW-Konjunkturbarometer sowie die Zahlen zum BIP der Eurozone für das erste Quartal, die beide im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden sollen. Diese Berichte könnten ein klareres Bild von der wirtschaftlichen Verfassung der Region liefern.

EZB bleibt unter Handlungsdruck

Da die Inflation weiter nachlässt, könnte die Europäische Zentralbank erneut zu Zinssenkungen gedrängt werden. In den vergangenen zwölf Monaten hat sie den Leitzins bereits siebenmal gesenkt. Zwar will die EZB damit Kreditvergabe und Investitionen ankurbeln, doch Zinssenkungen haben Grenzen und können die Margen der Banken unter Druck setzen. Die nächsten Schritte der Notenbank dürften daher von den kommenden Konjunkturdaten abhängen und davon, wie diese sich auf das Vertrauen von Unternehmen und Verbraucher:innen auswirken.

Gemischte Quartalszahlen bei deutschen Schwergewichten

Bayer-Aktien zogen an, nachdem kräftige Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten die Markterwartungen übertrafen. Das sorgte für Rückenwind im Pharmasektor. Dagegen meldeten die Rückversicherer Munich Re und Hannover Re schwache Gewinne im ersten Quartal; hohe Schäden durch Naturkatastrophen, darunter Waldbrände, belasteten die Ergebnisse. Die enttäuschenden Zahlen setzten die gesamte Versicherungsbranche unter Druck.

Ölpreise stabil, Handelsgespräche laufen weiter

Trotz der vorläufigen Einigung zwischen den USA und China bleiben längerfristige Handelsrisiken bestehen. Das 90-Tage-Zeitfenster für die Verhandlungen sorgt weiterhin für Unsicherheit an den Märkten. Die Ölpreise hielten sich daher fest: Brent stieg auf 61,36 €, während WTI aus den USA auf 58,48 € kletterte. Solange Anleger auf weitere Daten und Unternehmensberichte warten, dürfte die Marktrichtung in den kommenden Wochen unberechenbar bleiben.